Dienstag, 11. November 2008

Schule - Hort der Sicherheit

Heute hatten wir Schule. Wie jeden Tag hier in Kiel. Wie jeden Tag betraten wir das Schulgebäude durch den Seiteneingang. Er war unverschlossen. Wie jeden Tag. Dann nahmen wir den Fahrstuhl und fuhren in den 12ten Stock. Wie jeden Tag. Doch dann waren wir überrascht. Etwas war nicht wie jeden Tag. Es saßen keine schlaftrunkenen Gestalten auf dem Flur, voller Vorfreude auf den Leerer, der den Raum aufschließen möchte (Sicherheitsschloss mit bai). Nein, einige wenige saßen bereits im Raum. Er wurde ihnen aufgeschlossen. Aha.
Wie jeder Musterschüler begann ich unverzüglich mit den Hausaufgaben. Doch irgendetwas war seltsam. Jeden Tag ist der Flur voller Schüler, die auf qualitativ hochwertigen Unterricht warten. Heute war alles leer.
Dann klingelte mein mobiler Fernsprechapparat. Es war Kollege Büßen. Ob wir denn im Raum seien. Natürlich sagte ich, wie jeden Tag. Er legte uns trotz des routinemäßigen Aufenthalts in dem Raum nahe, diesen unverzüglich zu verlassen, da eine Bombendrohung gegen die Schule vorliegt. Ich solle mal aus dem Fenster gucken, da stünden alle. Tatsächlich, dort standen ein paar Gestalten und winkten.
Voller Plichterfüllung meldete ich die Situation an die Kollegen weiter. Mir glaubte natürlich keiner. Etwas echauffiert bot ich ein persönliches Gespräch über meinen mobilen Fernsprechapparat an, um Kollege Büßen zu kontaktieren. Als eine Kollegin ihn anrief um dann kurz danach meine Aussage zu verifizieren, begaben wir uns unverzüglich aus dem Raum heraus, gen Fahrstuhl. Der Fahrstuhl war inzwischen abgeschaltet. Leicht schockiert ob meiner fehlenden Glaubwürdigkeit traten wir den Weg durch das Treppenhaus an. Ein paar Stockwerke weiter unten begannen dann auch die schuleigenen Sirenen Baujahr 1965 zu heulen und zu uns gesellten sich weitere Schüler. Wir verliessen das Gebäude durch den Seiteneingang (unverschlossen) und trafen uns mit dem Rest der Klasse. Wenig später wurde bekannt gegeben, dass die Schule heute erst um 11.50 stattfinden würde. Solange dauert es nämlich, bis die Spürhunde der Polizei die Schule durchsucht hätten.
Wir fuhren zurück nach Hause. Ich war immer noch schockiert. Warum? Darum:

  • der Drohanruf kam um 7.30, wir verließen das Gebäude um 8.15.
  • warum waren die Haupteingänge verschlossen, aber die Seiteneingänge geöffnet, ohne Aufsicht?
  • warum waren die Fahrstühle in Betrieb?
  • warum waren die Sirenen nicht an?
  • warum war nirgendwo eine Person, die die ankommenden Schüler von der Drohung informierte?
  • warum funktionierte die Sirene nicht in unserer Etage?

Wissenswertes: die Kieler Innenstadt wurde um die Schule herum gesperrt, darunter die wichtigsten Straßen Kiels.

Nebenbei bemerkt:

Ich lernte heute ein tolles Wortgebilde kennen. Als wir wieder Schule hatten, musste jeder Schüler etwas vorstellen (Verknüpfung Hausaufgaben). Dazu wurde ein handlungsorientierter Sitzkreis geschaffen.

Aktueller Informationsverknüpfungszipfel.

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